Blaich und Partner Rechtsanwälte mbB

Wissensvorsprung der Bank

Von Rechtsanwalt Dr. Claudius Arnold

Mit Bankkredit erwarben Kunden im Dezember 1991 ein Hotelappartement. Dabei ließen sie sich von einer Treuhandgesellschaft vertreten. Angestellte der Treuhänderin hatten, ebenso wie ein Mitarbeiter der Bank, an einer Vertriebsbesprechung im Herbst 1991 teilgenommen und wussten, dass der im Prospekt vorausgesagte Mietertrag nicht erzielbar war. Die Kunden waren der Meinung, aufgrund des Wissensvorsprungs hätte die Bank sie vor dem Geschäft warnen müssen, und verlangten Schadensersatz. Die Bank verteidigte sich mit dem Argument, die Kunden seien nicht aufklärungsbedürftig gewesen, da sie sich das Wissen der von ihnen bevollmächtigten Treuhänderin zurechnen lassen müssten. Diesen Einwand ließ der Bundesgerichtshof (Urteil vom 5. Juli 2011, Az. XI ZR 306/10) nicht gelten. Die Begründung: Der Bank sei damals klar gewesen, dass die Treuhänderin die Informationen nicht an die Kunden weitergeben würde. Deshalb dürfe sie sich nicht auf die Zurechnung des Vertreterwissens berufen.

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